Virtual Reality Recruiting

Online-Recruiting ist in. Die Personalsuche verlagert sich immer mehr ins Web. Doch der Auswahlprozess ist meistens immer noch derselbe: Bewerbung, Telefongespräch, Bewerbungsgespräch vor Ort. Das Personalberater-Blog „Wollmilchsau“ zeigt an einem Experiment, wie die Personalauswahl der Zukunft aussehen könnte.

Herr Wirefly ist mit seinem IT-Unternehmen hoffnungslos überlastet. Er braucht dringend einen neuen Elektrokonstrukteur für Serversysteme und wendet sich an den Personalberater Sascha Manga. Dieser recherchiert und wird schnell fündig: Herr Beaumont ist DER Kandidat für die Stelle. Schade nur, dass er in London wohnt. Doch man ist ja flexibel, die Herren Manga und Beaumont treffen sich in einem Londoner Lokal und lernen sich kennen. Beim Vorstellungsgespräch in der folgenden Woche ist auch Herr Wirefly überzeugt, mit Herrn Beaumont die richtige Wahl zu treffen. Handschlag, Unterschrift, los geht’s!

Hört sich alles so weit normal an. Ist es aber nicht. Die ganze Geschichte, von der Auswahl des Personalberaters bis hin zum Einstellungsgespräch, fand virtuell statt. Genauer: in der 3D-Welt von Second Life. Während der Hype um Second Life schon lange vorbei ist, werden immer wieder ernste Businessmodelle in der Virtualität getestet: so auch das Recruiting. Doch schauen Sie selbst:


Video-Quelle: www.personalberater-blog.de

Als Berater-Kollege betrachte ich ein Experiment wie dieses natürlich mit besonderem Interesse, mit Neugier aber auch mit Skepsis. Bei der espiridon, meinem Unternehmen, haben wir es hauptsächlich mit Mandanten aus IT und Neue Medien zu tun, müssen uns deshalb grundsätzlich mit solchen Trends befassen. Wir qualifizieren Kandidaten telefonisch und persönlich vor, bevor wir sie unseren Mandanten präsentieren. Fragen, die sich für mich in diesem Zusammenhang stellen, sind: Hätte ein virtueller Auswahlprozess nennenswerte Vorteile gegenüber der gängigen Kommunikation aus Email, Telefon und vielleicht Video? Spielt der Kandidat uns eine Rolle vor – eine Rolle, in die er bei Second Life schlüpft, um etwas zu sein, was er eigentlich gar nicht ist? Ist die 3D-Umgebung hilfreich oder lenkt sie nur ab?

Sehr interessant fand ich die Szene, in der Herr Wirefly einen Server „mitbringt“ und ihn direkt vorführt. Allerdings die Darstellung des Servers viel zu schlecht. Sie hat für mich nicht mehr als Symbolcharakter. Die 3D-Darstellung von beliebigen Objekten wäre tatsächlich eine tolle Sache, gerade in technischen Bereichen. Aber lässt sich dadurch ein Vorort-Termin sparen? Lassen sich solche Anwendungen mit vertretbarem Aufwand wirklich realisieren?

Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich ist es noch ein paar Jahre zu früh. Zu früh, um über solche Veränderungen nachzudenken und sie mitzugestalten, ist es allerdings nie. Was halten Sie von virtuellem Recruiting? Spielerei oder ernst zu nehmende Alternative? Ich würde gerne mit Ihnen darüber diskutieren. Bitte schreibe Sie mir Ihre Meinung an coachingzone(at)espiridon.com.

Ihr Sascha Frank

(Bild: personalberater-blog, Screenshot)

Diese Artikel gefallen Ihnen sicher auch