Vom Manager zum Krisen-Manager

Schlechte Zeiten fordern von Managern ganz neue Qualitäten bei der Personalführung. Wenn Entlassungen drohen, macht sich Angst unter den Mitarbeitern breit, Motivation und Leistung leiden darunter. Dem können Führungskräfte nur durch intensive Kommunikation entgegenwirken. Was gute Krisen-Manager auszeichnet, ist Berechenbarkeit, Durchblick, Kontrolle und Mitgefühl.

Schon wieder ein Krisenthema. Es hängt Ihnen zum Hals raus? Verständlich. Aber wir kommen nicht drum herum. Es gibt fast keine Führungskraft, die der richtige Umgang mit der Krise momentan nicht beschäftigt. Eine besondere Herausforderung ist die Krise in Bezug auf die Leadership-Qualitäten. Viele sagen, für eine Führungskraft sei es das Schwierigste überhaupt, Leute zu entlassen. Aber das stimmt nicht. Leute zu entlassen ist schwierig, doch wenn sie weg sind, sind sie weg. Viel schwieriger ist es, mit den verbliebenen Mitarbeitern weiterzumachen.

Wer seinen Job bisher behalten konnte, ist nicht uneingeschränkt froh. Er hat vor allem Angst, dass es jederzeit und als nächstes ihn treffen könnte. Schlottert die ganze Abteilung angesichts der drohenden Einschnitte, dann ist akutes Krisen-Management angebracht. Führungskräfte müssen nun vor allem intensiv und bedacht kommunizieren. Das kann selbst erfahrene Manager vor größere Probleme stellen. Bewährte Konzepte wie Fordern und Fördern funktionieren in solchen Situationen nicht mehr. Der Artikel „Gut führen in schlechten Zeiten“ aus dem Harvard Business Manager nennt vier Hauptfaktoren, welche gute Krisenkommunikation ausmachen. Ich fasse diese hier in Kürze für Sie zusammen:

  • Berechenbarkeit: Nichts macht mehr Angst als die Ungewissheit. Mitarbeiter leben in ständiger Angst, wenn sie nicht wissen wie es weitergeht. Schaffen Sie Klarheit: Informieren Sie offen, konkret und frühzeitig über bevorstehende Einschnitte. Je besser Sie Ihre Mitarbeiter auf negative Entwicklungen vorbereiten, desto besser werden sie damit umgehen können. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen.
  • Durchblick: Wenn man schon gekündigt wird oder auf Gehalt verzichten muss, will man wenigstens wissen, warum. Was man versteht, kann man besser akzeptieren. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihren Leuten Gründe und Hintergründe für Einschnitte detailliert zu erklären.
  • Kontrolle: Geben Sie Ihren Mitarbeiter die Möglichkeit, ihre Situation in die Hand zu nehmen. Erarbeiten Sie Zukunftsperspektiven mit ihnen. Bei Mitarbeitern, denen die Kündigung droht, kann die so genannte Outplacement-Beratung viel helfen. Unterstützen Sie sie bei der Stellensuche, sei es intern oder extern.
  • Mitgefühl: Echte Anteilnahme ändert zwar nichts an der Situation, wirkt sich aber enorm auf die Stimmung aus. Äußern Sie Ihr Mitgefühl sowohl öffentlich als auch unter vier Augen. Wenn Sie Ihre Solidarität noch z.B. durch Gehaltsverzicht unterstreichen möchten, umso besser.

Einen guten Krisen-Manager machen also vor allem Sozialkompetenz und Kommunikationsstärke aus. Es ist nach wie vor sehr schwierig und belastend, wenn tiefe Einschnitte bei den Mitarbeitern drohen. Doch mit der nötigen Sensibilität wird es für alle Beteiligten leichter.

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto – LilliiDay)

Diese Artikel gefallen Ihnen sicher auch