Wer nichts wird, wird Coach

„Wer nichts wird, wird Wirt.“ sagt ein altes Sprichwort. Ob das nach wie vor stimmt, kann ich nicht beurteilen. Doch leider scheint folgendes immer mehr zuzutreffen: „Wer nichts wird, wird Coach.“ Jeden Tag betreten selbsternannte Coaches den Markt und bieten ihre zweifelhafte Unterstützung an. Bemühen Sie einmal die XING-Suche nach den Begriffen „Coach“ oder „Coaching“. Zum Glück riegelt XING bei 300 Suchergebnissen ab und verhüllt das wahre Ausmaß der Misere. Wenn ich mir so die Profile der Leute anschaue, finde ich ein buntes Allerlei, vom Ex-Top-Manager bis hin zum Hypnose-Guru, der meine Blockaden durch die Reise ins Ich zu lösen verspricht. Was das alles mit Coaching zu tun hat, weiß ich nicht. Und das Schlimmste ist, die selbsternannten Coaches scheinen es meistens selbst nicht zu wissen.

Obwohl „Coach“ im deutschen Berufsrecht kein geschützter Begriff ist gibt es durchaus eine verbindliche Definition dessen, was Coaching sein soll. Der Deutsche Bundesverband Coaching e.V. (DBVC) sagt dazu unter anderem folgendes, ich zitiere von der Webseite:

„Inhaltlich ist Coaching eine Kombination aus individueller Unterstützung zur Bewältigung verschiedener Anliegen und persönlicher Beratung. […]Der Coach ermöglicht das Erkennen von Problemursachen und dient daher zur Identifikation und Lösung der zum Problem führenden Prozesse. Der Klient lernt so im Idealfall, seine Probleme eigenständig zu lösen, sein Verhalten / seine Einstellungen weiterzuentwickeln und effektive Ergebnisse zu erreichen. Ein grundsätzliches Merkmal des professionellen Coachings ist die Förderung der Selbstreflexion und -wahrnehmung […].“

Schon aus diesen Sätzen wird klar, dass qualifiziertes Coaching eine fundierte Ausbildung braucht. Weil ich eine Säge zuhause habe, bin ich noch lange kein Schreiner. Weil ich mir mal ein Bein gebrochen habe, bin ich noch lange kein Chirurg. Und als Coach qualifiziere ich mich noch lange nicht, nur weil ich mal eine Krise durchlebt habe oder meine Bekannten meinen, dass ich immer so gute Lebensweisheiten auf Lager habe.

Deshalb kämpft der DBVC seit Jahren dafür, dass der Coach ein anerkannter Beruf mit geregelter Ausbildung wird. Bisher ohne Erfolg. Deshalb sollten Menschen, die Coaching in Anspruch nehmen wollen, bei der Auswahl eines Coaches besonders vorsichtig sein. Die Mitgliederliste des DBVC bietet eine gute Orientierung. Oder holen Sie sich Empfehlungen von Menschen ein, die schon erfolgreich gecoacht wurden. Informieren Sie sich selbst darüber, was Coaching bedeutet. Lassen Sie sich von Coaches auf jeden Fall Auskunft über deren Ausbildung und Erfahrung geben. Lernen Sie den Coach in einer Probesitzung kennen und machen Sie nur weiter, wenn Sie ein gutes Gefühl haben.

Wenn Sie so vor gehen ist die Chance sehr hoch, dass Sie jemanden finden, der Ihnen wirklich helfen kann. Denn wo Coaching draufsteht, da sollte auch Coaching drin sein!

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto – hadynyah)

Diese Artikel gefallen Ihnen sicher auch