Where do you want to sit down today?

Moderne Arbeitskonzepte gibt es viele. Eines davon sieht die Abschaffung des eigenen Schreibtisches vor. Man kann sich jeden Tag das richtige Plätzchen aussuchen, je nachdem welche Aufgaben anstehen. Oder man arbeitet gleich von zu Hause aus. Solche Konzepte sind nicht für alle Beschäftige geeignet und erfordern auch eine grundlegende Veränderung der Unternehmenskultur.

„Moment, ich verbinde“ … „Tut mir leid, er ist nicht am Platz. Bitte warten Sie einen Moment, ich schaue, wo er ist.“ … „Können Sie noch einen Moment dranbleiben?“ … „Er ist gar nicht da, arbeitet heute von zuhause aus. – Wann er wieder kommt? – Keine Ahnung.“ So oder ähnlich könnte es in Zukunft aussehen, wenn die Telefonzentrale eines Unternehmens an den gewünschten Gesprächspartner weiterverbinden will. Zumindest dann, wenn das Unternehmen ein flexibles Arbeitskonzept von morgen ausprobiert.

Die Firma Freudenberg Dichtungs- und Schwingungstechnik aus Weinheim/Bergstraße hat in ihrem Innovation Center den flexiblen Arbeitsplatz eingeführt. Nicht zur Freude aller, wie kürzlich Zeit online berichtete. Das Konzept sieht vor, dass es keine festen Büros oder Schreibtische mehr gibt. Jeder sucht sich im Großraumbüro seinen Platz oder zieht sich in eine der Einzelzellen zurück. Projektteams können sich nach Bedarf zusammensetzen – oder auch digital vernetzt von zuhause aus arbeiten. Die persönlichen Sachen transportiert man in einem Container. Das heißt natürlich jeden Abend: aufräumen.

Die Vorteile des flexiblen Arbeitsplatzes sind offensichtlich. Für jede Situation oder Persönlichkeit gibt es das passende Umfeld. Die kreative und kommunikative Arbeitsplatzgestaltung (die sich auch in der Raumeinrichtung ausdrückt) soll sich auf die Arbeitsleistung auswirken. Die Selbständigkeit und die Selbstbestimmung werden gefördert. Und nicht zuletzt verhindert man, dass sich Mitarbeiter in ihren Büros in unerledigten Papierstapeln vergraben.

Am Beispiel der Telefonzentrale wird jedoch deutlich, dass Umdenken erforderlich ist, wenn flexible Arbeitskonzepte erfolgreich sein sollen. Die alten Kommunikationswege funktionieren nur noch bedingt. Hierarchien relativieren sich, wenn der Chef sich nicht mehr hinter schalldichten Türen verbarrikadiert. Auch die wachsende Vermischung von Arbeitszeit und Freizeit bringt Herausforderungen mit sich.

Den Schreibtisch mitsamt Pflanze und Familienportrait wegzunehmen würde viele Mitarbeiter schlichtweg überfordern. Wer viel Wert auf Sicherheit und Stabilität legt, für den haben die zwei Quadratmeter Holz vor sich symbolischen Wert. Flexible Bürokonzepte eignen sich eher für Teams in kreativen Bereichen mit hoher Eigenverantwortung. Die Branchen IT und Neue Medien haben dabei einen entscheidenden Vorteil. Die Leute dort sind gewohnt, räumlich getrennt zu arbeiten und alle technischen Möglichkeiten der Kommunikation zu nutzen. Ob man da in der Firma noch einen eigenen Schreibtisch hat oder nicht, ist nebensächlich.

Trotzdem: Neue Arbeitskonzepte einzuführen kostet immer Mut und Überwindung. Schließlich sind auch hohe Anfangsinvestitionen in Technik und Raumgestaltung nötig, wovor einige momentan zurückschrecken mögen. Vielleicht ist auch eine schrittweise Einführung sinnvoll? Wenn Sie bereits Erfahrungen mit mobilen Arbeitsplätzen gemacht haben, freue ich mich über Ihren Kommentar.

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto – Ximagination)

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