Geld oder Zeit: Wofür sollten Sie sich entscheiden?

Auch wenn es nicht immer so offensichtlich ist müssen wir immer wieder zwischen Geld und Zeit auswählen: Überstunden machen oder den Abend anderweitig verbringen? Weder viel Geld noch viel Freizeit sind Garanten für Glück im Leben. Trotzdem gibt es gute Gründe, warum Sie sich – wenn möglich – für mehr Zeit entscheiden sollten.

Ihnen wird die Leitung eines neues Projekts angeboten. Sie wissen genau, was das für die nächsten Wochen heißen wird: Deutlich längere Arbeitstage und mehr Dienstreisen, deutlich weniger Zeit für Familie, Freunde, Hobbys. Andererseits, wenn Sie ablehnen, wirkt sich das vielleicht negativ auf Ihre nächste Bonuszahlung oder Gehaltsverhandlung aus. Wie sollen Sie sich entscheiden? Welche Wahl würde sich insgesamt besser auf Ihr Leben auswirken?

Die meisten Menschen schätzen Geld mehr als Zeit

Aufs Wesentliche reduziert müssen Sie in dieser Situation zwischen Zeit und Geld auswählen. Sie müssen die Fragen beantworten, ob Zeit oder Geld für Sie einen größeren Wert hat. Spontan gefragt würden wohl die meisten von uns, eine halbwegs komfortable finanzielle Situation vorausgesetzt, mit „Zeit ist für mich wertvoller“ antworten. Schon rein der sozialen Erwünschtheit wegen. Aber unsere Entscheidungen im Alltag sprechen oft eine andere Sprache. Das zeigt nicht nur die rein subjektive Erfahrung, wenn man sich im Kreis der Kollegen oder Geschäftspartner umschaut. In einer repräsentativen Studie unter US-Amerikanern gaben 64% an, Geld mehr als Zeit zu schätzen. Dafür gibt es teilweise einen simplen Grund: Der Wert von Geld ist mehr oder weniger festgelegt und leicht zu beziffern. 100 Dollar sind 100 Dollar wert. Aber wie bewertet man Zeit? Ist eine Stunde Mittagsschlaf auf dem Sofa gleich viel wert wie eine einstündige Fahrradtour mit der Familie, oder weniger?

Unsere Einstellung macht das Glück aus

Eine rein finanzielle Betrachtungsweise bei der Entscheidung zwischen Geld und Zeit fällt also weg. Können wir uns stattdessen fragen, welche Option uns glücklicher machen würde? In der erwähnten Studie wurden die Teilnehmer auch gefragt, für wie glücklich sie sich selbst halten. Teilnehmer, die angaben, dass Zeit für sie wertvoller ist als Geld, schätzten sich dabei selbst als deutlich glücklicher ein. Man könnte einwenden, dass es sich dabei wahrscheinlich um Leute handelt, die genug Geld haben und sich daher den Luxus von viel Freizeit leisten können. Diesen Einwand haben die Macher der Studie berücksichtigt und daher nur Menschen miteinander verglichen, die in etwa gleichen Verhältnissen leben und gleich lange Arbeitszeiten haben. Die Ergebnisse blieben unverändert.

Das legt einen interessanten Schluss nahe: Unser Glück hängt nicht wesentlich von unseren tatsächlichen Umständen ab. Genauso wenig wie Geld allein glücklich macht, was hinlänglich bewiesen ist, ist viel Freizeit eine Voraussetzung für Glück. Fragen Sie mal jemanden, der gerade seinen Job verloren hat. Es kommt viel mehr darauf an, welchen persönlichen Wert man Geld oder Zeit beimisst, ganz egal wie viel man davon hat. Die Einstellung macht also wieder mal den Unterschied. Wer aufs Geld fixiert ist denkt eher an die eigenen Bedürfnisse und daran, was er sich bisher noch nicht leisten konnte. Das macht tendenziell unzufrieden. Wer Zeit höher einschätzt macht sich eher Gedanken darüber, wie er diese verbringen kann und mit wem.

Die eigenen Wertvorstellungen hinterfragen

Wie sollen Sie sich also entscheiden? Das Projekt annehmen oder nicht? Manchmal haben wir gar keine Wahl, wenn wir unseren Job behalten oder nicht aufs Abstellgleis versetzt werden wollen. Manchmal brauchen wir auch einfach das Geld. Doch wenn Sie wirklich frei entscheiden können, würden Sie der weit verbreiteten Tendenz widerstehen und aufs Geld verzichten? Auch wenn Sie vielleicht keine Familie haben, die zuhause auf Sie wartet? Das würde Sie zwar nicht unbedingt gleich glücklicher machen, wäre aber ein gutes Zeichen dafür, dass Sie bereits ein glücklicher Mensch sind. Weil Ihnen Zeit offenbar mehr wert ist als Geld.

Und wenn es andersherum ist? Einige Zeit später wurden den Studienteilnehmer nochmals die gleichen Fragen gestellt und siehe da, der Anteil derer, die Zeit höher einschätzten und sich für glücklicher hielten, war gestiegen. Offensichtlich hat es schon positive Auswirkungen, sich einmal bewusst mit seiner persönlichen Einstellung auseinanderzusetzen. Insofern könnte man sagen, dass Sie durch die Lektüre dieses Artikels schon ein glücklicherer Mensch geworden sind. Gern geschehen, kostet nichts!

Ihr Sascha Frank

Bild: Fotolia – fotofabrika

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