Bei Anruf: Adrenalin. So meistern Sie Telefoninterviews chefmäßig (Teil 2)

Oft müssen Bewerber ein telefonisches Interview überleben, bevor sie zum Vorstellungsgespräch vor Ort eingeladen werden. Das ist eine Herausforderung. Der zweite Teil dieses Artikels erklärt, wie Sie die Tücken der Technik meistern, allein mit Worten überzeugen und ein großer Meister in Telefoninterviews werden können.

Die Schweißdrüßenaktivität an den Händen und die Pulsfrequenz sind ein wenig erhöht, so kurz vor dem Vorstellungsgespräch. Ganz normal. Doch nachdem man sich ein wenig umgesehen hat – “Echt coole Büros!” –, ins freundliche Gesicht des Gegenübers geblickt hat – “Scheint ja ein ganz netter zu sein!” – ein paar Mal am Wasserglas oder am Kaffeebecher – “Hmm, mit Crema…” –  genippt hat, legt sich die größe Aufregung wieder. So weit, so gut. Doch beim telefonischen Job-Interview, das man als Bewerber immer öfter als ersten Schritt des Auswahlprozesses überstehen muss, gibt es all diese beruhigenden Möglichkeiten nicht. Nach dreimal klingeln und einmal tief durchatmen müssen Sie direkt ins Gespräch mit einem Gegenüber (oder mehreren) einsteigen, den Sie nicht kennen, sehen und einschätzen können.

Gut ist, wenn Sie sich anhand des ersten Teils dieses Artikels perfekt auf das Telefongespräch vorbereitet haben. Das ist schon die halbe Miete. Doch auch kurz vor, im und nach dem Gespräch sollten Sie eine Reihe von Dingen beachten, damit Sie souverän rüberkommen und allein mit der Kraft Ihrer Worte und Ihrer Stimme überzeugen können:

In die richtige Startposition begeben

  • Wählen Sie einen ruhigen Ort für das Telefonat aus, an dem Sie nicht abgelenkt sind und nicht gestört werden. Soll das Telefonat während Ihrer Arbeitszeit stattfinden? Dann gehen Sie dafür in den nahe gelegenen Park oder blocken Sie einen freien Konferenzraum. Ein Flüstertelefonat auf dem Flur, bei dem die Kollegen spitze Ohren bekommen, ist sicher nicht das passende Umfeld.
  • Checken Sie vorab die Technik. Ist der Akku voll und haben Sie guten Empfang? Wenn zwischendurch die Verbindung abbricht oder die Sprachqualität so schlecht ist, dass jedes dritte Wort verschluckt wird, macht das nicht gerade einen guten Eindruck. Und Ihre Nervosität wird eher noch erhöht.
  • Haben Sie gute Laune. Am Telefon können Sie Gefühle nur über Ihre Stimme transportieren. Sind Sie gestresst oder niedergeschlagen, hört man das. Am besten denken Sie davor an den letzten schönen Urlaub oder lassen sich eine Viertelstunde die Sonne ins Gesicht scheinen. Oder Sie sagen hundert Mal vor dem Spiegel zu sich “Du bist der coolste Typ, den ich kenne!”. Ihre Stimme wird übrigens auch stark durch Ihre Körperhaltung, Ihre Gesten und Mimik beeinflusst. Mit einem Headset haben Sie die Hände frei und können sich während des Redens ganz natürlich und unverkrampft bewegen.

Kurze und konkrete Antworten sind von Vorteil

  • Antworten Sie auf Fragen mit relativ kurzen, konkreten Aussagen. Beim Vorstellungsgespräch können Sie durchaus auch mal vom Thema abschweifen oder ausführlich von einem tollen Projekt erzählen, solange Sie sehen, dass Ihr Gegenüber mitgeht. Beim telefonischen Interview ist das schwierig. Beschränken Sie Ihre Monologe deshalb auf maximal 60-90 Sekunden und konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche. Wenn doch mehr Details gewünscht sind, kommt sicherlich eine Zusatzfrage.
  • Bleiben Sie konzentriert und fokussiert. Hören Sie aufmerksam zu und lassen Sie Ihre Gedanken nicht auf Wanderschaft gehen. Checken Sie vor allem keine Mails nebenher. Notizen zu machen hilft dabei, die Konzentration hoch zu halten. Reden Sie langsam und machen Sie zwischendurch kurze Denkpausen. So können Sie Ihre Gedanken ordnen und vermeiden, in nervöses Gestammel oder bla bla zu verfallen.
  • Formulieren Sie immer positiv und zuversichtlich. Eigentlich ist das selbstverständlich, jedoch am Telefon noch wichtiger als im direkten Gespräch. Mangels visueller Eindrücke müssen sich Ihre Gesprächspartner voll darauf stützen, was Sie wie sagen – und ein positiver Mensch kommt nun mal deutlich besser an!

Nach dem Gespräch ist vor dem Gespräch

  • Schreiben Sie eine “Danke”-E-Mail. Mit einer Follow-Up-Nachricht und einem “Dankeschön” halten Sie sich in bleibender Erinnerung. Natürlich sollten Sie auch die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, in aller Kürze nochmals Werbung in eigener Sache zu betreiben.
  • Analysieren Sie das Telefonat für sich selbst. Seien Sie ehrlich mit sich selbst: Was lief gut, was weniger? Was können Sie beim nächsten Telefoninterview noch optimieren und welcher Fehler sollte Ihnen beim nächsten Mal tunlichst nicht mehr unterlaufen? Schreiben Sie Ihre Erkenntnisse auf und beziehen Sie in die Vorbereitung mit ein, wenn Sie wieder ein telefonisches Vorstellungsgespräch absolvieren müssen.

Sind Sie bereit, den Hörer abzunehmen? Mit diesen Tipps heißt es für Sie hoffentlich bald “Bei Anruf: Job”.

Ihr Sascha Frank

Bild: Unsplash

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